Luxuskleingeld

Fast täglich leere ich die Münzen aus meinem Portemonnaie in zwei große Gläser. Das eine für die Münzen, die weniger als 1 Euro Wert sind und das andere für die restlichen. Gerade habe ich die Münzen wieder „gerollt“: 50 Euro und 50 Cent sind dabei zusammengekommen, insgesamt habe ich jetzt Kleingeld von mehr als 300,- Euro im Schrank liegen. Mir graut es jetzt schon davor, das alles mal irgendwann zur Bank bringen zu müssen.

Aber jedes Mal, wenn ich die Münzen ordne und nach dem „Rollen“ in den Schrank lege, kommt ein kleines Gefühl des Luxus in mir auf: ich erinnere mich noch gut, wie ich zur Studentenzeit in allen möglichen Taschen herumgekramt habe, um noch darin verbliebenes Kleingeld zusammen zu suchen. Und natürlich Leergut – welches sich im Moment bei mir auch stapelt, weil man ja nie weiß, wie lange die Schlange vor dem Pfandautomat wohl sein wird und ich keine Lust habe, im Supermarkt an einer Schlange zu stehen, noch bevor ich überhaupt was zur Kasse bringe.

Aber dass ich das Kleingeld jetzt einfach so im Schrank liegen lassen kann, das ist für mich schon ein kleines bisschen Luxus.

NoseRub – Tue es wie die Eskimos

Das Blog hier ist ja nun doch seit ein paar Wochen ganz schön kurz gekommen, aber das hat auch seinen Grund. Nicht, weil ich zu wenig Filme gesehen hätte, sondern weil mich im Moment ein anderes Projekt sehr stark in Anspruch nimmt:

NoseRub - decentralised, social networks

NoseRub ist der Name und spielt auf das Nasereiben der Innuit an, welches bei der Begrüßung praktiziert wird. Ich empfand das schon immer als schönes Zeichen für Freundschaft und persönliche, menschliche Beziehungen.

Mit NoseRub soll ein dezentrales soziales Netzwerk ermöglicht werden, damit nicht Xing, StudiVZ und Lokalisten meine wertvollen Daten – nämlich meine Freundesbeziehungen – in ihren Händen halten, sondern ich selbst darüber bestimme, wer diese Daten bekommt und wer nicht. Und vor allem, dass ich diese Angaben nicht immer und immer wieder machen und pflegen muss.

Das ist ein ehrgeiziges Ziel und wir sind bestimmt noch eine ganze Ecke davon entfernt, aber die ersten Schritte sind gemacht. Seit gestern gibt es auf Identoo.com den ersten Service, der NoseRub benutzt. Ihr könnt euch dort kostenlos ein Konto anlegen und alle möglichen Dienste (flickr, twitter, etc.) und RSS-Feeds eintragen. Auf eurer Profilseite kann dann jeder sehen, was ihr so aggregiert im Netz macht – feinere Abstufungen was öffentlich gesehen werden darf und was nur bestimmte Leute, werden auf jeden Fall folgen.

Sehr nützlich ist es aber, wenn ihr diese sogenannte NoseRub-ID an andere Leute weitergebt, die ebenfalls über eine NoseRub-ID verfügen. Denn die Accounts synchronisieren sich automatisch und somit bekommt der andere sofort mit, wenn ihr z.B. ein neues Blog aufmacht und den RSS-Feed dazu in eurem Profil mit angebt. Umgekehrt könnt ihr so natürlich darüber auf dem Laufenden bleiben, was eure Freunde und Bekannte so machen. Und zwar ohne dass ihr z.B. selbst bei Flickr oder Twitter angemeldet sein müsst.

Auf dem NoseRub Blog kann man sich auch ein paar Videos und Interviews anschauen, um mehr von den Ideen hinter NoseRub aufzuschnappen. Der elektrische Reporter hat uns interviewt und auf dem BarCamp 2007 in Köln gab es zwei Sessions zum Themenkomplex, die man sich bequem anschauen kann.

Ich hoffe, dass das Projekt auch andere so begeistert wie mich :-)

Wir brauchen dringend Internet-Kompetenz in der Gesellschaft

Heute morgen ist es auf einmal überall in den alten Medien zu hören und zu sehen: Zur Terrorabwehr will „Stasi 2.0„-Schäuble Verdächtigen eine Mail mit Trojanern unterschieben.

Der Trojaner soll dabei so aufgebaut sein, dass er von Firewalls und Antivirenprogrammen nicht erkannt wird. Politik und alte Medien übernehmen diesen Blödsinn ungefragt. Die Politik beschäftigt sich eher mit dem Problem, dass die Glaubwürdigkeit des Absenders (irgendeine Bundesbehörde) dadurch Schaden nimmt. Dabei sollten sie sich lieber darum kümmern, etwas für die Glaubwürdigkeit der Politiker insgesamt zu tun.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass Politik langfristige Entscheidungen trifft und sie deshalb nicht von den Bürgern verstanden wird. Es ist aber doch eher so, dass die Politiker nur ihre kurzfristigen Ziele verfolgen (Machterhalt) und z.B. beim Thema Internet überhaupt keine Ahnung von dem haben, worüber sie da sprechen. Bei vielen anderen Dingen kann ich es nicht überprüfen, aber warum sollte es dort anders sein?

Also liebe Journalisten und Politiker: es ist kein Problem nachzufragen, wenn man mal keine Ahnung hat. Das gilt auch für „Netz“-Ressortleiter in den Redaktionen, die eher Boulevardthemen aufgreifen. Ist ja OK, im Moment müssen sich die alten Medien umorientieren und dürfen auch mal Unsinn ausprobieren. Aber fragt doch einfach bei solchen sensiblen Themen bitte mal bei denen nach, die wirklich Ahnung haben. Mit dem Chaos Computer Club (CCC) gibt es da einen hervorragenden Ansprechpartner, dem man auch vertrauen kann.

An Herrn Schäuble: nicht jeder „Terrorverdächtige“ ist so einfältig wie die Mitarbeiter der Regierung, die sich durch Öffnen irgendwelcher Anhänge ein Viren einfangen. Und Sie werden es auch nicht schaffen, weltweit alle Hersteller von Antivirenprogramme dazu zu bringen, Ihren Trojaner absichtlich nicht zu erkennen. Mal ganz abgesehen davon, dass es hanebüchen ist, über den Upstream einer herrkömmlichen Internetverbindung Gigabyteweise Daten anzuzapfen. Ihr Pläne sind technischer Bullshit, rechtliche Bedenken haben ja selbst Ihre Kollegen im Kabinett.

Spannung vor dem Weg nach Hause

Wie man gerade lesen kann (z.B. spreeblick), wurde akademie.de von der GEZ abgemahnt, weil in einem Beitrag dort Begriffe genannt wurden, die der GEZ nicht passen.

Ich bin mal gespannt, ob ich auch Post von der GEZ bekommen habe (darf ich den dann auch nicht mehr GEZ-Brief nenne?), denn hier und hier habe ich ebenfalls über Probleme mit der GEZ-Abmeldung (Neusprech: gesetzlich vorgesehene Abmeldung der angemeldeten zum Empfang bereit gehaltenen Rundfunkgeräte) geschrieben.

Mal abwarten, wie die einschlägigen Lawblogs dazu Stellung nehmen, auf den ersten Blick finde ich es albern.

Nachtrag: Heute keine Post im Briefkasten. Mal abwarten…