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Werbung als Motor unserer Gesellschaft?

Jan hat sich ziemlich plakativ über die Benutzer von Adblockern geäußert: Leute, die Werbeblocker einsetzen, finde ich asozial

Ich benutze AdBlocker, dank iOS 9 auch mobil, aber ich kann gut damit Leben, dass Jan mich damit asozial findet. Wir kennen (rein virtuell) uns schon länger, sind beides nicht mehr ganz so junge Männer und wissen, dass Menschen viele Facetten haben und sich nicht nur über eine Eigenschaft definieren lassen.
Soviel also schon mal dazu: Jan, ich bin Dir nicht böse!

Witzigerweise war ich wegen seinem Beitrag zum ersten Mal auf mobilegeeks.de. Und das auch nur, weil irgendwer auf Facebook den Artikel dort geteilt hatte. Witzig deshalb, weil das ja auch eine Art der Werbung ist, die ich aber nicht mit meinem AdBlocker herausfiltern konnte. Aber gut. Das passt halt in das sehr komplizierte Bild, wenn es um Werbung im Allgemeinen und online im Speziellen geht.

Ich mag Werbung nicht. Überhaupt nicht.

Da darf man nun ruhig mit dem Finger auf mich Zeigen, da ich sowohl hier, wie auch auf Blogger.de Werbung verkaufe. Und ironischerweise hat mein letzter Beitrag in diesem Blog vor fast zwei Jahren auch das Thema „Werbung“ zum Inhalt. Wie gesagt: Menschen haben viele Facetten und diese sind zur Überraschung oftmals auch durchaus widersprüchlich.

Aber zurück zur Werbung, die ich nicht mag. Ich mag nicht nur die auffällige Werbung, sondern jegliche Art der Werbung. Bei Instagram und Facebook blockiere ich die entsprechenden Konten, von denen ich gesponsorte Posts in den Feed gekippt bekomme, schneller als ich den Inhalt überhaupt wahr nehmen konnte. Warum? Weil mich Werbung genauso nervt wie jeder Zettelverteiler in der Innenstadt, der ungefragt auf mich zugeht um mir was in die Hand zu drücken. Wenn ich auf Instagram unterwegs bin, will ich Fotos von den Leuten sehen, denen ich folge. Wenn ich bei Facebook reinschaue, will ich sehen, was meine „Freunde“ dort so reingestellt haben. Wenn ich was Kaufen will, besuche ich Amazon.de. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich was tue. Werbung hindert mich aber daran. Und deshalb finde ich sie nervend.

Websites sind aber doch auf Werbung angewiesen! Du beklaust die kleinen Publisher!

Hier wird es nun so langsam interessant und wir nähern uns so langsam der Überschrift dieses Blogbeitrages: Werbung als Motor der Gesellschaft

Wie gesagt kenne ich mobilegeeks.de nicht so wirklich, zu meinen täglich besuchten Websites gehören neben Golem.de auch noch heise.de und ein paar englischsprachige Websites mit Neuigkeiten aus der Technologiewelt. Und ganz ehrlich: wenn ich für die Informationen dort zahlen müsste, würde ich sie nicht mehr besuchen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich dort zuletzt etwas gelesen habe, was für mich wirklich unverzichtbar gewesen wäre.
Die meisten Inhalte der letzten Tage und Wochen drehten sich doch um Neuigkeiten rund um Apple (iPhone 6s, MacOS X El Capitan, iOS 9) und Microsoft (irgendwelche neue Hardware und ein Windows 10 mobile?). Gefühlte 99% aller Beiträge auf Websites werden doch nur veröffentlicht, um Besucher zu generieren. Ich muss doch nicht wirklich zehn Mal lesen, wie groß und schwer das neue iPhone 6s nun ist.

Große Nachrichtenseiten wie Spiegel Online und Co. sind da natürlich nicht besser. Nur dass sie auch noch DPA-Meldungen benutzen um Seitenaufrufe zu generieren. Und irgendwo dazwischen sind vielleicht eigene Inhalte zu finden. Vielleicht. Denn überraschend oft ähneln sich ja die Themen, die von den großen Nachrichtenseiten behandelt werden. Das finde ich immer wieder sehr bemerkenswert. Täglich muss was neues passieren, mit dem, was man in der vorherigen Woche auf die Agenda gesetzt hat, will sich heute schon niemand mehr beschäftigen. Das zeigt ja, wie wichtig das Thema aus der letzten Woche war. Warum sollte ich mich also eigentlich heute auf die Neuigkeiten einlassen?

Wirklich globale Nachrichten gibt es doch gar nicht. „Global“ nicht im Sinne von weltumspannend, sondern im Sinne von Themen, die uns insgesamt interessieren sollten, weil sie gesellschaftlich oder politisch wichtig sind. Elektroautos sind nur ein Beispiel: wieso ist es kein Allgemeinwissen, wie so eine Gesamtbilanz von 1.000 km mit einem Elektroauto zu einem Benziner/Diesel aussieht? Was steckt so alles in einer Batterie, wie werden diese hergestellt? Wo kommt der Strom für die Elektroautos her? Wer betreibt denn die Elektrotankstellen und welche Energieträger werden von diesen Betreibern gefördert? Klar, das ist alles ziemlich komplex. Aber entweder hat sich da noch nie jemand Gedanken zu gemacht – dann wäre es höchste Zeit – oder aber die Ergebnisse sind so schlimm, dass man sie lieber nicht veröffentlichen möchte – auch dann wäre es höchste Zeit, diese zu veröffentlichen.

Ein anderes Beispiel ist die gesetzliche Rentenversicherung. Hier zuckt auch irgendwie jeder mit den Schultern. Ja, das ist so alles nicht tragbar, aber was soll’s? Statt dessen freut man sich, dass die Renten jetzt wieder um 5% steigen. So eine Nachricht ist wahrscheinlich leichter zu transportieren, denn außer der Überschrift selbst muss man eigentlich nicht viel mehr lesen. Hauptsache der Leser kommt vorbei und sieht dabei evtl. noch die Werbung.

Werbung als Motor der Gesellschaft

Ich freue mich ja für Jan, dass er mit seinen Onlineprojekten Geld verdient. Ich selbst arbeite in einer Internetagentur und fühle mich selbst ja oftmals schlecht, dass ich Geld für etwas bekomme, was eigentlich keinen Wert hat. Das sind alles nur irgendwelche Elektronen, die durch Leitungen schwirren und am Ende auf einem Bildschirm angezeigt werden.

Ich stelle nichts her was man anfassen oder verbrauchen könnte. Der reale Wert ist also eigentlich nicht vorhanden. Und davon lebe ich sogar ziemlich gut! Wahrscheinlich werde ich im Endeffekt auch von der Werbeindustrie bezahlt. Bei kommerziellen Websites ist die Rechnung aber ganz einfach: ohne Werbung gibt es kein Einkommen und entsprechend würden die Websites schließen müssen. Das ist ja das, was den ganzen Zeitungen passiert.

Wahrscheinlich 99% des Angebots im Internet wird durch Werbung finanziert. Das muss man sich mal überlegen. Ich persönlich zahle nichts für irgendeinen Inhalt im Internet. Ich kaufe/bezahle regelmäßig über das Internet diverse Sachen, aber für Inhalte selbst zahle ich – soweit ich mir dessen gerade bewusst bin – nichts. Und ich fühle mich dabei nicht als Schmarotzer. Ich habe mal eine zeitlang Geld für einen flickr-Account bezahlt und würde wahrscheinlich auch für Twitter und Facebook zahlen. Aber die Möglichkeit habe ich ja gar nicht.

Zurück zur Werbeindustrie. Was ist das doch für ein verrücktes System. Irgendwie haben es die Werbetreibenden geschafft, die Hersteller von Produkten davon zu überzeugen, dass sie jede Menge Geld raushauen müssen, damit die Konsumenten auf ihre Produkte aufmerksam gemacht werden. Ohne dass auch nur ein Hersteller wirklich weiß, dass diese Werbung funktioniert. Denn auch diese ganzen Referall-Cookies und andere Methoden um den Weg von Werbung zur Bestellung zu tracken sind natürlich murks. Oder die tollen Umfragen zur Bekanntheit von Marken. „Meinungsforschungsinstitute“ sind ja auch so eine tolle Sache. Ein weiterer Wirtschaftszweig, der sich aus der Werbeindustrie nährt und darüberhinaus keinen wirklichen Zweck hat.

Was ist denn die Alternative?

Ich bin kein Wirtschaftsexperte, höre aber schon die „das ist halt Kapitalismus“-Rufe in meinem Hinterkopf. Ja, kann sein. Und ich weiß auch nicht, wie das alles anders werden könnte. Ich finde nur, dass man endlich aufhören sollte, solche Diskussionen immer nur so oberflächlich zu führen. Ich wünschte mir, dass jeder leise in sich hineinkichert, wenn er auf mobilegeeks.de einen Beitrag gegen Adblocker liest, weil er dabei erkennt, dass dieser Beitrag letztendlich nur veröffentlich wurde, weil er Besucher anlocken wird und somit zu potentiellen Werbeeinnahmen führt. Weil das nun einmal das Geschäftsmodell der Website ist. Das ist alles legitim, aber bitte verliert doch das Große Ganze nicht aus dem Blick.

Das führt dann vielleicht auch dazu, dass man eben nicht so einfach einen Beitrag raushauen kann. Und da beziehe ich meinen ausdrücklich mit ein. Ich glaube kaum, dass ich wirklich rüberbringen konnte, was mich an diesem Mega-Thema „Werbung“ alls beschäftigt. Und vielleicht säge ich mit der Verwendung eines Adblockers an meinem eigenen Ast. Aber eine Welt ohne Werbung ist für mich lebenswerter als eine mit. Deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen einen Adblocker zu nutzen und würde lieber früher als später erleben, was mein Einsatz von Adblockern wirklich für Konsequenzen nach sich zieht.

Nachtrag (21.10.2015): Auch Felix hat sich nun zu diesem Thema geäußert und dabei ein paar lesenswerte Überlegungen aufgegriffen. Gerade der Teil, wo es darum geht, dass wir mit unserer Aufmerksamkeit für Werbung bezahlen, trifft ziemlich gut die Gründe, warum ich Werbung nicht mag: Ich möchte selbst entscheiden, wann ich was meine Aufmerksamkeit widme.

Was ist Werbung?

Felix‘ Frage bei Facebook hatte ich gestern schon verfolgt und heute hat er dann einen Blogbeitrag nachgeschoben: Partner. Auf Facebook hatte er gefragt, warum viele Leute ihre Amazon-Partnerlinks nicht entsprechend kennzeichnen. Ich hatte gestern keine passende Antwort und fühlte mich nicht wirklich angesprochen, obwohl ich auch Amazon-Partnerlinks einsetze und diese weder direkt kennzeichne, noch im Impressum darauf hinweise.

In seinem Blogbeitrag von heute hat Felix einen Tweet von mir verlinkt, weil ich dort über einen Amazon-Werbelink auf ein Kindle-Angebot verlinkt habe und dabei ebenfalls nicht gekennzeichnet habe, dass es sich um einen solchen Werbelink handelt.

Ein kurzer Einwurf für die, die nicht wissen, was ein Amazon-Werbelink ist. Diese Links, auch Affiliate-Links genannt, sind spezielle Links, die eine Information enthalten, über wen ein Besucher auf die Zielseite kommt. In diesem Fall ist es so, dass Amazon dann weiß, dass ich derjenige bin, der den Link gesetzt hat. Falls jemand nun also den Link klickt und anschließend was bei Amazon kauft, bekomme ich dafür eine Provision, die ungefähr 5% des Kaufpreises bei Amazon beträgt, allerdings nach oben hin auch auf 10,- pro bestelltem Artikel begrenzt ist. Kauft also jemand bei Amazon einen Fernseher für 1.000,- Euro und kam über einen Link von mir zu Amazon, bekomme ich dafür 10,- Euro – obwohl 5% sogar 50,- Euro wären. Bei einem Artikel für 10,- Euro bekomme ich 50 Cent.
In Wahrheit berechnet Amazon die 5% Provision vom Nettopreis, also ohne Mehrwertsteuer, so dass im Endeffekt bei einem 10,- Euro-Artikel wesentlich wneiger als 50 Cent dabei herauskommen.

Und um die Transparenz noch ein Stückchen weiter zu führen: für das dritte Quartal habe ich durch meine Links (nicht nur von meinem Blog) für 589,96 Euro Umsatz bei Amazon gesorgt und dafür 29,50 Euro von Amazon bekommen. Dieser Umsatz wurde ordnungsgemäß bei der Steuer angegeben.

Was auch ganz wichtig ist und was Felix auch schon beschrieben hat: der Preis für den Artikel verändert sich nicht, egal wie jemand zu Amazon kommt.

Nun also zurück zum Blogbeitrag von Felix. Um seine ursprünglichen Fragen zu beantworten: Amazon setzt zwar voraus, dass man einen bestimmten Text auf seiner Webseite einsetzt um auf das Werbeprogramm hinzuweisen, kümmert sich aber nicht darum, ob die Webseiten das tatsächlich tun. Also kümmere ich mich nicht um die Regel. Genauso wie Amazon (zumindest in einer seiner ersten Fassungen von vor ein paar Jahren) verboten hat, dass man diese Werbelinks selbst nutzt. Ich verrate euch wahrscheinlich kein Geheimnis: es funktioniert trotzdem und wird von Amazon nicht sanktoniert.

Ich nutze die Amazon Werbelinks gerade deshalb weil sie so einfach sind. Wären sie es nicht und weitaus mehr Restriktionen unterworfen, würde ich sie nicht nutzen. Das weiß wahrscheinlich auch Amazon.

In seinem Beitrag führt Felix aus, dass er sich durch solche nicht gekennzeichneten Links verarscht fühlt, weil sie ihm Werbung ungekennzeichnet vor den Latz knallen. In den Kommentaren zum Blogbeitrag führt er weiter aus, dass er davon ausgeht, dass zumindest einige der Werbelinks nicht gesetzt/getwittert worden wären, wenn sich dadurch kein finanzieller Vorteil erhofft worden wäre.

Vor diesem Hintergrund kann ich verstehen, warum Felix sich verarscht fühlt. Letztendlich führt das aber doch auch zu Frage, was denn nun genau Werbung ist. Die meisten meiner Buchbeschreibungen hier im Blog sind mit Werbelinks zu Amazon ausgestattet. Auch deshalb, weil es die einfachste Möglichkeit ist, auf weiterführende Informationen zu den Büchern zu verlinken. Ich schreibe diese Blogbeiträge nicht, damit ich einen Werbelink unterbringen kann und finde die Informationen bei Amazon zum Buch auch wirklich hilfreich. Deshalb ist für mich so ein Link auch keine Werbung, selbst wenn ich dadurch theoretisch Geld verdienen kann.

Was ist denn aber nun, wenn ich zu einem Produkt bei Apple verlinke? Ich nutze dazu keine Affiliate-Links, das ist mir einfach zu umständlich. Ich besitze aber Aktien von Apple und profitiere somit von einem Link, da mehr Käufe (wiederum theoretisch) zu steigenden Aktienkursen führen sollten. Ja, ich weiß, dass bekanntere Autoren durchaus in ihren Blogbeiträgen erwähnen, dass sie an einer Firma beteiligt sind, über die sie schreiben.

Um das noch abstrakter zu machen: wenn ich ohne Affiliate-Link auf eine App im Apple Appstore verlinke, ist das dann auch eine Werbelink, weil dadurch schließlich die iOS-Plattform gestärkt wird und das wiederum meinen Apple-Aktien zugute kommt? Jetzt mal komplett ohne die Annahme, dass meine Blogbeiträge und Tweets wohl kaum solche weitreichenden Konsequenzen haben.

Was ich damit aber sagen will: sind nicht alle Links irgendwie Werbung? Und ist es daher nicht wichtiger sich dessen bewusst zu sein? Man kann nie ganz durchleuchten, welche Konsequenz ein Link hat und auch nicht, mit welcher Intention er gesetzt wurde. Mir persönlich ist das auch egal. Falls es jemand fertig bringt ein Blog zu schreiben, dass nur aus Beirägen mit gesponsorten Inhalten oder Links enthält und das mich trotzdem interessiert, würde ich das trotzdem lesen. Die Wahrscheinlichkeit ist nur extrem gering.

Ich empfinde es nicht als Täuschung, wenn ich einen Werbelink zu Amazon setze, da ich den Link zu Amazon auf jeden Fall gesetzt hätte. Das war auch bei meinem Tweet zum Kindle der Fall. Die Mails vom Amazon-Partnerprogramm landen bei mir automatisch im Spam, auf genau dieses Angebot war ich nur gestossen, weil ich aus persönlichem Interesse (ich kaufe selbst sehr viel bei Amazon) morgens auf die Angebotsseite von Amazon gehe. Kurz nachdem ich den Link gepostet hatte, waren die Kindles auch schon alle weg. Hätte ich bei Twitter meine eigene Nichts-Löschen-Policy hätte ich den Tweet auch wieder gelöscht. Ich habe sogar extra nicht noch einen Tweet nachgeschoben, dass die Kindle zu dem Preis nun alle weg wären, gerade weil es eh schon so viele Tweets zum Kindle gab.

Und gerade weil ich es nicht als Täuschung empfinde, werde ich dahingehend nichts ändern. Diese Eigensinnigkeit gehört bei mir genauso dazu, wie die konsequente Kleinschreibung bei Felix.

Der Transgender-Sturm

Umgewehter Baum

Erinnert ihr euch noch an den Sturm aus der letzten Woche? In Norddeutschland und an den Küsten Deutschlands tobte er besonders stark. Christian hieß er, der Sturm. Jedenfalls in Deutschland. Der selbe Sturm hieß in Schweden nämlich Simone und war nicht weniger heftig.

Zuerst flog die Schubkarre weg, weniger dramatisch könnte man auch sagen, dass sie vom Wind umgestoßen wurde. Das passierte noch relativ früh am Nachmittag und kommt schon mal vor wenn der Wind ein bisschen stärker ist und ich die Schubkarre motivationsfördernd draußen stehen lasse. Als ich die Schubkarre also so mitten auf dem Weg liegen sah, bin ich doch mal nach Draußen um sie etwas in Sicherheit zu bringen. Ganz uneigennützig natürlich: ich hatte keine Lust, sie später hinten aus dem Wald zu fischen. Das was mich da Draußen an Sturmböen erwischte war schon nicht ohne.

Nachdem es dann dunkel wurde – was hier so gegen 16:30 Uhr der Fall ist, hörte ich irgendwann von der Seite des Hauses ziemlich viel Lärm den ich nicht zuordnen konnte. Zwar Pfiff und rappelte es schon den ganzen Tag, aber das war wirklich lauter. Zur Sicherheit leuchtete ich erst einmal von Innen mit der Taschenlampe die Umgebung der Hauswand ab und fand ein Stückchen weiter ein Stück Wellblech liegen. Ein Blick zur anderen Seite bestätigte mir, dass es zu dem kleinen Schuppen am Haus gehört, indem der – inzwischen nicht mehr in Betrieb befindliche – Öltank residiert. Also wieder nach Draußen und das Stück Wellblech bergen. Wenn ich von Stück rede, muss man sich das mit einer Größe von etwa 1,50 m x 1,50 m vorstellen. Zum Glück hatte ich es mit dem Stück nicht weit, mein Respekt vor der Wirkung des Windes auf mehr als 2 Quadratmeter Fläche war auch so groß genug. Außerdem konnte ich in der Dunkelheit auch nicht so recht einschätzen, wie locker die restliche Wellblechstücke saßen und ob mir die wortwörtlich um die Ohren fliegen würden. Passiert ist zum Glück nichts und die auf dem Schuppen verbliebenen Reste des Wellbleches machten nur Radau aber sonst nichts.

Zwischen 21:00 und 22:00 Uhr beschloss ich dann ins Bett zu gehen, da der Sturm zwar immer noch tobte, aber das Haus einen stabilen Eindruck machte und ich sowieso nichts hätte machen können. Genau zu der Zeit fiel dann der Strom aus. Schon vorher flackerte es ein paar mal, was bei den überirdisch verlegten Stromleitungen bei dem Sturm auch nicht wirklich überrascht. Noch mal 30 Minuten später war dann auch das Licht der Straßenlaternen weg. Stromausfälle kenne ich inzwischen aus Schweden und war mir sicher, dass die das schnell in den Griff kriegen würden. Ja, auch ich irre ich manchmal.

Am nächsten Morgen war der Strom immer noch weg und auch das Handynetz. Das war insofern blöd, weil ich jetzt nicht einmal im Büro in Deutschland anrufen konnte um Bescheid zu geben, dass es noch ein bisschen dauern könnte, bis ich wieder arbeiten kann. Irgendwann hatte ich die Warterei zuhause satt und bin mit dem Auto nach Kalmar gefahren. Auf dem Weg dorthin hatte ich keine drastischen Sturmschäden gesehen und in Kalmar selbst gab es sowohl Strom als auch Handyempfang. Also flugs in der Agentur Bescheid gegeben, dass ich an dem Tag erst später online werden würde. Haha! Ich bin so naiv!

Auf dem Rückweg war ich wohl wesentlich wacher und sah somit bei uns im Dorf gleich an zwei Stellen riesige umgestürzte Bäume. Na gut, dachte ich mir. Der Sturm war wohl wirklich nicht so ohne. Bei mir am Haus war, abgesehen vom Wellblech, alles in Ordnung – wenn man mal die ganzen abgebrochenen Äste im Garten ignoriert. Zuhause begann dann also das Warten. Nun muss man dazu wissen, dass ich nicht an das kommunale Wassersystem angeschlossen bin, sondern das aus einem Brunnen hier im Garten kommt. Soweit, so schlecht. Denn damit gibt es auch keinen Wasserdruck! Normalerweise sorgt eine Pumpe im Keller dafür, die natürlich mit Strom betrieben ist…

Zwei Toiletten im Haus sind aber wenigstens für die großen Geschäfte mit Wasser gefüllt und ich darf auch schon mal verraten, dass der Wasserdruck in der Leitung noch für zwei mal Spülen reichte. Andererseits muss ich auch gestehen, dass ich zum Pinkeln vorsichtshalber hinter’s Haus gegangen bin – irgendwie muss man sich die Ressourcen ja einteilen! Die Heizung funktionierte natürlich auch nicht mehr. Denn obwohl das Heizungswasser selbst noch heiß genug war, lief natürlich die Umwälzpumpe nicht, die dafür sorgt, dass das warme Wasser duch die Heizungen getrieben wird. Als es irgendwann Nachmittag wurde und sowohl Strom als auch Handynetz auf sich warten liessen, sorgte die einbrechende Dunkelheit dann dafür, dass es langsam kälter wurde. Zum Glück habe ich einen offenen Kamin und hatte morgens noch etwas Brennholz aus Kalmar mitgebracht.

So saß ich also den ganzen Tag über zuhause und wartete. Zum Glück war mein Kindle noch voll aufgeladen und ein paar Bücher warteten noch darauf gelesen zu werden. Beim Schein des Feuers und einiger Kerzen konnte man der ganzen Sache auch etwas Gemütliches abgewinnen. Ab 18:00 Uhr zog ich dann mit den ganzen Kerzen oben ins Schlafzimmer um das so ein klein wenig wärmer zu bekommen. Und ob ich unten im Sessel hänge, oder oben im Bett liege und lese, macht ja auch keinen Unterschied. Dabei fällt mir ein: ist es eigentlich auch so ein Kindheitsmythos, dass das Lesen bei schlechtem Licht die Augen verdirbt, oder muss ich mir nun ernsthaft Gedanken um mein Augenlicht machen?

Der zweite Morgen ohne Strom brachte zumindest das Handynetz zurück, so dass ich den Kollegen in Bonn ein paar Mails schreiben konnte. Wobei mein iPhone nach dem Laden im Auto am Vortag bedenklich unter die 50%-Marke der Akkuanzeige rutschte. Während ich also wartete und dem Knistern des offenen Kamins lauschte, las ich das zweite Buch zu Ende. Langsam wurde es wirklich langweilig. Ich hätte zwar noch einiges im Garten erledigen können, oder wollte auch immer noch ein paar Städte in der Umgebung besuchen, aber ungeduscht gehe ich ungern unter Menschen – vor allem nach zwei ungeduschten Tagen. Und wenn ich im Garten gearbeitet hätte, wäre eine Dusche umso dringender gewesen. Und wer weiß, wie lange der Strom noch ausbleiben würde und ob ich nicht irgendwann doch mal wieder Einkaufen müsste? So langsam rächte es sich, dass ich Endzeit-Science-Fiction so gerne mag: meine Phantasie kannte keine Grenzen.

Also der Akku des iPhones dann aber ganz leer war, musste was getan werden: ich fuhr wieder nach Kalmar um das Handy im Auto aufzuladen, irgendwo was Warmes zu Essen und vielleicht ein Klo zu finden. Mit allen drei Vorhaben war ich übrigens erfolgreich.

Damit ich unterwegs wusste, ob der Strom zuhause immer noch weg ist, oder nicht, hatte ich die Webcam zuhause eingesteckt. Denn die schickt eine Mail, sobald sie wieder von Außen zu erreichen ist. Und obwohl ich ziemlich viel Zeit in Kalmar verplemperte, kam die tröstende Mail nicht. Gegen 13:30 Uhr fuhr ich trotzdem wieder zurück nach Påryd und mitten auf dem Weg dann endlich die Mail der Webcam! Der Strom war wieder da. Um kurz nach 14:00 Uhr konnte ich das dann auch den Kollegen in Bonn per Chat mitteilen und mein Homeoffice wieder in Betrieb nehmen – ob ungeduscht oder geduscht ist dabei zum Glück egal.

Am nächsten Morgen war der Strom übrigens noch mal weg. So ungefähr von 6:00 Uhr bis 9:00 Uhr. Ich schätze aber mal, dass dabei nur ein paar provisorische Reperaturen vom Vortag in Ordnung gebracht wurden. Ein bisschen hatte ich mich trotzdem geärgert, dass ich keine Eimer mit Wasser parat gestellt hatte – zu unwahrscheinlich kam es mir vor, dass der Strom wieder wegbleiben würde.

Das Foto oben stammt übrigens aus dem Wald hinter meinem Haus. Die Höhe der Bodenplatte mit den Wurzeln und der Erde beträgt gut 2 Meter. Ich habe nicht gehört wie er gefallen ist, wahrscheinlich war der Lärm des Sturms aber auch einfach zu groß. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie weit weg das vom Haus war, gibt es hier unten noch das Foto aus der Gegenperspektive. Ich sage mal so: ich hätte es wohl mitbekommen, wenn der Baum in die andere Richtung gefallen wäre.

Umgewehter Baum, Ansicht mit Haus

Ironblogger: Ein Abschied

Genau vier Monate nach meinem Start bei den Ironbloggern Bonn kommt nun mein Abschied.

Der Grund hängt eng mit dem Konzept der Ironblogger zusammen und das funktioniert für mich einfach nicht mehr. Das Ironblogging soll einen ja dazu animieren, jede Woche in sein Blog zu schreiben. Tut man das nicht, gehen 5,- Euro in eine Sammelkasse, die anschliessend bei einem gemeinsames Treffen vertrunken und verspeist werden.

Die Idee dahinter ist die, dass viele Leute ihr Blog vernachlässigen, weil sie sich nicht die Zeit nehmen wollen, oder sonstwie demotiviert sind. Dieser Gedankengang hat auch für mich bisher gut funktioniert. Nun aber bin ich in einer Woche angekommen, in der ich nichts zu bloggen habe, bzw. nichts schreiben möchte, weil ich nichts davon veröffentlichen würde, wenn ich nicht bei den Ironbloggern wäre. Witzigerweise trifft das natürlich auf diesen Blogbeitrag zu, aber so ist das ein ganz guter Abschluss.

Mir geht es jetzt auch nicht um die 5,- Euro die ich zahlen müsste, wenn ich diese Woche auslasse, sondern eher darum, dass ich diese Woche tatsächlich zum ersten Mal überlegt hatte irgendwas zu schreiben, nur um die Serie nicht reissen zu lassen. Das will ich aber nicht und auch für die Zukunft vermeiden.

Deshalb also ein Dankeschön an die Ironblogger und für mich hoffe ich, dass ich trotzdem die grundlegende Motivation nicht verlieren. Wir lesen uns!

Chipotle in der Skyline Plaza Frankfurt

Chipotle Skyline Plaza Frankfurt

Seien wir ruhig erlich: Fastfood hat keinen besonders guten Ruf. Da es aber oftmals nicht nur bequem, sondern auch lecker ist, empfinde ich zumindest eine gewisse Hassliebe für Fastfood. Bei Chipotle ist da aber wesentlich mehr Liebe als Hass im Spiel und seit dieser Woche hat endlich die erste Filiale in Deutschland aufgemacht, genauer gesagt in der Skyline Plaza in Frankfurt.

Chipotle kante ich aus meinen Besuchen in New York City und San Francisco. Wobei wir über den in New York damals eher zufällig gestolpert sind. Inzwischen erfreut sich die Kette wohl größerer Beliebtheit und man muss vielleicht nicht mehr so lange suchen. Was den Reiz an dieser Kette ausmacht? Ich für meinen Teil mag Reis sehr gerne und deshalb sind die Burritos von Chipotle meine erste Wahl: man wählt zwischen zwei Reis- und Bohnensorten aus, mit denen dann der weiche Burritofladen belegt wird. Anschliessend kann man sich aussuchen mit welcher der vier Fleischsorten man den Burrito belegt haben möchte. Dann stehen vier verschiedene Salsa-Soßen zur Auswahl und schließlich hat man noch die Wahl, ob man Salat, Sauerrahm und/oder Käse af seinem Burrito haben möchte. Guacamole kostet extra.

Ich muss zugeben, dass der verpackte Burrito doch sehr viel kleiner aussah, als ich ihn in Erinnerung hatte. Aber beim Essen kam dann die Erkentniss, dass ich das Sättigungspotential des Burritos auf die Größe projiziert hatte. Denn satt geworden sind wir wirklich. Und das lag nicht nur daran, dass wir uns zusätzlich noch eine Portion Tacos (das sind dann drei Stück), sowie eine Portion Tortilla-Chips und Guacamole gegönnt haben. Die Chips und das selbstgemachte Guacamole kann ich übrigens nur empfehlen. Für 4,- Euro bekommt man eine ziemlich große Portion und die Guacamole schmeckt wirklich toll.

Chipotle: Burroti, Taco, Tortilla-Chips und Guacamole

Damit wären wir auch schon beim Preis angelangt. Auf Facebook konnte man den Kommentaren bereits entnehmen, dass die Leute zwar begeistert von Chipotle waren, aber den Preis als zu hoch empfanden. Das kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Der Burrito und die Portion Tacos kosten jeweils 9 Euro. Möchte man darauf Guacamole haben, kostet das 3,- Euro extra, was ich als einzigen Punkt tatsächlich ganz schön teuer fand. Ich weiß allerdings auch nicht, wie viel Guacamole man dann bekommen hätte. Die Portion Tortilla-Chips mit Guacamole für 4,- Euro finde ich dagegen angemessen und fair. Eine flasche Cola mit 0,5 Litern kostet 3,- Euro inklusive Pfand. Das ist zwar kein Schnäppchen, aber durchaus im Rahmen.

Es kommt wahrscheinlich darauf an, womit man den Preis vergleicht. Ein Matschburger von McDonalds oder BurgerKing ist mit seinen 3 bis 4 Euro sicherlich günstiger, aber sobald man bei Burgern in die Kategorie des vernünftigen Essens kommt (Frittebud in Bonn, oder Fette Kuh in Köln) ist man schnell bei den selben Preisen. Und damit schliesst sich der Kreis zum Einstieg des Textes und der Betrachtung von Fastfood. In den USA habe ich gerne bei Chipotle gegessen, weil es wirklich satt macht und man dabei nicht klassisches Fastfood vertilgt.

Die Skyline Plaza selbst ist ein Einkaufszentrum und der Chipotle liegt schräg gegenüber von einem Starbucks mitten in der Einkaufszeile. Ob es in dem Komplex so etwas wie den Food-Court im CentrO-Oberhausen gibt, weiß ich nicht. Jedenfalls hat der Chipotle auch noch einen kleinen Aussenbereich wo man sitzen kann, welcher an diesem Wochenende aber wegen des Wetters nicht in Betrieb war. Drinnen gibt es Sitzplätze für geschätzte 40 Personen. Wir waren an einem Samstag gegen 12:00 Uhr dort und sind sofort dran gekommen und haben auch noch gut einen Sitzplatz gefunden. Als wir einige Stunden später auf dem Rückweg daran vorbei kamen, ist das obige Foto entstanden, inklusive der Schlange.

Leider ist Frankfurt nicht gerade um die Ecke und auch wenn man mal die 90 Minuten Autofahrt auf sich nehmen kann, würde ich mich trotzdem freuen, wenn Köln bald auf der Landkart der Chipotle-Manager auftaucht. Auch in diesem Sinne wünsche ich Chipotle in Frankfurt viel Erfolg. Lecker ist es allemal, also geht’s hin und probiert es!