„Die Musterschüler“, Lushins Verteidigung“, „Madalyn“, „Einladung zur Enthauptung“, „On Chesile Beach“

Jetzt endlich der vorletzte Bücherhaufen für dieses Jahr… Ich will doch am Schluss wissen, wie viele Bücher ich dieses Jahr gelesen habe!

On Chesile Beach von Ian McEwan ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man einen Autor nicht nur an einem Buch messen sollte. Sein Buch Saturday fand ich nämlich ziemlich öde. Aber On Chesile Beach ist echt eine tolle, wenn auch ziemlich kurze Geschichte.

Von Michael Köhlmeier habe ich dieses Jahr nun insgesamt vier Bücher gelesen. Das eher kurze Madalyn und das ungleich wuchtigere Die Musterschüler fehlten noch vom Stapel der gelesenen Bücher. An beiden Büchern hatte ich meine Freude, an Die Musterschüler hat mich aber fasziniert, wie man 600 Seiten eines Buches fesselnd verfassen kann, ohne das, um das es zentral in der Geschichte geht, tatsächlich zu beschreiben.

Im Doppelpack kam auch Vladimir Nabokov mit Einladung zur Enthauptung und Lushins Verteidigung vom Stapel. Einladung zur Enthauptung ist einfach nur surreal und hat Generationen von Lehrern viel Stoff für Interpretation geboten, schätze ich. Auch Lushins Verteidigung ist keine leichte Kost und stand bei mir von Vorhinein im Schatten meines Lieblingsbuches Carl Haffners Liebe zum Unentschieden von Thomas Glavinic. In beiden Büchern geht es um einen begnadeten Schachspieler, bei Nabokov ist das aber irgendwie anstrengender. Von Nabokov werde ich wohl lange Zeit erst einmal nichts mehr lesen…

„Handy“ – Ingo Schulze

Was für ein langweiliges Buch. Ich habe es jetzt aber auch schon nach 99 von 280 Seiten weg gelegt – vielleicht hat es ja noch irgendwas gegen Ende in petto. Aber bei einer Sammlung von Kurzgeschichten bezweifele ich das.

Es kann ja schon einmal passieren, dass man mit einer Geschichte nichts anfangen kann. Aber hier habe ich das Gefühl, dass ich von einem Satz zum nächsten bereits vergessen habe, worum es gerade ging. Zu belanglos wird hier erzählt. So macht das wirklich keinen Spaß. Für eine markierte Textstelle war es aber immerhin gut:

„Ich verstehe ja“, […], „dass es guttut, wenn man sich jederzeit an einen Gott wenden kann. Aber ist es nicht auch eine Frage der Würde, sich keine Trostpflaster aufschwatzen zu lassen?“

„1Q84“ – Haruki Murakami

Der dritte Band von 1Q84 ist auch der letzte und ein schöner Abschluss der Geschichte. Wenn man sich so die Adjektive zu Haruki Murakami anschaut, überlegt man sofort, was wohl der tiefere Sinn der Geschichte ist und ob darin irgendwo eine Sozialkritik, oder etwas ähnliches steckt.

Ich weiß es nicht und habe trotzdem Gefallen gefunden an der gesamten Geschichte, die im ersten Band noch ganz langsam losgeht und erst nach und nach ihre Geheimnisse preisgibt. Den dritten Band habe ich jetzt als den spannendsten in Erinnerung, aber das kann auch daran liegen, dass ich die ersten beiden Teile schon vor ein paar Monaten gelesen habe.

Gleichzeitig ist der dritte Band aber auch angenehm ruhig und wahrscheinlich bezieht er auch daraus seine Spannung. Wer dicke Schmöker und Geschichten mag, wird Gefallen an diesem Buch finden, denke ich.

Schöne Freunde, Der alte König in seinem Exil, In Plüschgewittern

Schöne Freunde ist von Arno Geiger, einem österreichischem Schriftsteller, auf den ich irgendwann einmal gestoßen bin und dessen Bücher ich inzwischen genau so blind kaufe, wie die von Thomas Glavinic. Die Geschichte selbst ist mir nur noch in Bruchstücken präsent, aber so geht mir das mit allen Büchern. Ich weiß nur noch, dass ich sie mochte.

Auch Der alte König in seinem Exil ist von Arno Geiger. Diesmal geht es allerdings um die Geschichte seines an Alzheimer erkrankten Vaters und um die Geschichte seiner Verbindung zu seinem Vater.

Folgender Satz ist nicht typisch für das Buch, ich mag ihn einfach so:

Aus demselben Grund habe der Dätt nie erklärt, wie etwas gemacht werden solle, sondern nur befohlen, dass es zu geschehen habe. So habe er vermieden, dass ihm jemand sagt, wie man es besser machen könnte.

Ansonsten enthält das Buch alles, was man von einer solchen Konstellation erwarten kann. Und eine Menge kleiner Geschichten rund um Arno Geiger und seinen Vater. Auf jeden Fall lesenswert.

Auf Wolfgang Herrendorf und sein Buch In Plüschgewittern bin ich eigentlich auch einem sehr tragischen Grund aufmerksam geworden. Nichtsdestotrotz finde ich diesen deutschen Schriftsteller lesenswert und bin froh, überhaupt irgendwie auf ihn aufmerksam geworden zu sein.

In den meisten Büchern geht es übrigens, wie in Liedern ja auch, um Liebe und Beziehungen. Und ich finde es jedes Mal interessant, wie anders die Geschichten doch sind. Und doch im Grunde alle identisch. Und nie langweilig.

„Blauer Montag“ – Arnon Grünberg

Mit Blauer Montag habe ich nun ein weiteres Buch des Niederländers Arnon Grünberg gelesen und ich glaube, dass ich mir noch ein paar seiner Bücher zulegen werde.

In den ersten beiden Kapiteln zu Blauer Montag war ich mir gar nicht so sicher, ob es sich um einzelne Kurzgeschichten handelt, oder um einen Roman. Erst danach kamen langsam Zusammenhänge dazu. Auch sonst erklärt das Buch nicht alles und man muss sich aus dem Erzählten zusammenreimen, dass es jetzt ein paar Jahre weiter im Leben des jungen Mannes gegangen ist. Das macht es aber auch interessant und im gewissen Sinne „zeitlos“.

Eine der Stellen, die ich mir in diesem Buch markiert habe:

Manche Dinge tut man eben einfach und denkt erst hinterher darüber nach. Meine Psychologen jedoch hatten wunderbare Erklärungen dafür, so schön, daß einem beim Zuhören die Tränen in die Augen traten.

Das ist auch ein Beispiel dafür, warum ich das nicht eindeutig „traurig“ oder „melancholisch“ nennen kann. Es ist an vielen Stellen mit enorm viel Augenzwinkern geschrieben, aber das, was der Erzähler schildert, macht oft einen hoffnungslosen Eindruck.