Wenn im Wald ein Baum fällt…

Ich weiß nicht, ob ich ein schlechter Mensch bin, weil mich der gestrige Vorfall auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin ziemlich kalt lässt. Ich schreibe extra Vorfall, weil ich mir nicht sicher bin, was denn der große Unterschied für die Betroffenen ist, ob es nun ein Unfall war, oder ein Anschlag auf das Leben der Menschen. Geht es einem besser, wenn man weiß, dass man ein Familienmitglied durch einen Unfall verloren hat, oder durch einen Mord? Kann man sich in einem Fall besser damit abfinden?

Ich kenne keine der Menschen dort und deshalb fällt es mir schwer, das kollektive Entsetzen zu teilen. Ja, jeden Tag können schlimme Dinge passieren. Vielleicht sind sich die Leute dessen nicht bewusst und wahr ist nur, was im Fernsehen gezeigt wird. Die hudnerten toten Radfahrer pro Jahr werden halt nicht dementsprechend in die Öffentlichkeit gezerrt. Oder Herzinfarktopfer, oder, oder, oder.

Es kommt mir so vor, als ob dieser Vorfall als Happening begangen wird. Als ob die Diskussion und Berichterstattung irgendwas ändern würden. Außer es vielleicht attraktiver zu machen, solche Taten zu begehen. Immerhin wird ja tatsächlich etwas erreicht. Denn es ist ja wohl klar, dass der/die Täter nicht die eigentlichen Opfer im Hinterkopf hatten, sondern eben diese anschließende Show.

Also: wenn ein LKW in einen Weihnachtsmarkt fährt, weil eine Bremse defekt war, und dabei sterben genauso viele Leute wie gestern in Berlin und es werden ebensoviele verletzt. Ist es dann wirklich nicht so schlimm? Muss man dann weniger Angst haben?

Woher kommt dieses Entsetzen und diese Angst? Ich halte mich für einen empathischen Menschen und würde mit den Verletzten und den Familienmitgliedern der Toten mitfühlen – wenn ich sie kennen würde. Ich kann aber kein Mitgefühl für Personen entwickeln, die Angst und Entsetzen vor irgendeinem diffusen Gefühl der Unsicherheit haben. Ich verstehe nicht und kann nicht nachvollziehen, warum die Welt (zumindest aus deutscher Sicht) seit gestern Abend schlimmer sein soll, als noch am Abend vorher.

Starbucks und Knoblauch

Der Starbucks ist nur ein paar Meter vom Büro entfernt, aber da mir der Cappuccino bei Starbucks nicht so gut schmeckt, ist der Laden für mich jetzt eigentlich keinen Pflichtbesuch wert. Mit dem Screenshot der Starbucks-Karte vom Chef ging dann aber eine Kollegin los und da konnte ich dann doch nicht widerstehen und habe mir einen Caramel-Macchiato mitbringen lassen.

Ganz so wie in den amerikanischen Filmen kam dann also die amerikanische (!) Kollegin mit den bestellten Kaffees hier an. Mehr Klischee geht kaum, es war aber mit dem ganzen Weihnachtsgebäck hier auch entsprechend gemütlich.

Nach einer halben Stunden Diskussion zur Mittagszeit ging es dann zum Frittenwerk, wo es zwar sehr leckere Pommes gab, die Knoblauchfahne der Bestellung aber über Meter hinweg bereits zu riechen war. Um anschließend das leicht pelzige Knoblauchgefühl auf der Zunge zu vertreiben, gab es dann noch einen Cappuccino von Romeo! Romeo!. Und natürlich wieder Weihnachtsgebäck – verhungern oder verdursten wird hier wirklich niemand.

Airbnb

Ohne Probleme in Köln angekommen und mich im Gartenhäuschen einquartiert, welches hier für Airbnb-Gäste eingerichtet wurde – mit eigenem Bad und sogar einem Mini-Kühlschrank. Ein großer Kühlschrank steht hier auch noch rosa beklebt neben dem Bett. Ich bin mir nicht sicher, ob der einfach nur als Schrank umfunktioniert wurde, oder im Sommer noch als Zweitkühlschrank für Gartenpartys herhält. Kronleuchter und Holzdecke sind aber jedenfalls eine super Kombination.

Es ist jedoch immer wieder verwunderlich, welche kleinen Hinterhofschätze sich in den engen Straßen von Köln-Ehrenfeld verstecken. Und super leise ist es hier auch.

Im neuen Büro war ich auch schon. Noch herrscht in erster Linie Umzugsflair, d.h. überall steht irgendwas rum, was darauf wartet eingeräumt oder weggeschmissen zu werden. Ich bin mal gespannt, wie sich die ganzen Räume dann morgen mit Kollegen füllen. Insgesamt aber schon schön, eigene Räume zu haben und sie nach eigenen Vorstellungen einrichten zu können. Und neue Plätze für das Mittagessen können auch wieder gesucht werden…

Roadtrip SE-DK-DE

Knapp 1.100 km zwischen 3:15 Uhr und 15:15 Uhr – meine immer grobe Schätzung „12 Stunden von Haustüre zu Haustüre“ passte auch dieses Mal wieder. Der Samstagsverkehr war nicht so schlimm wie angenommen und 110 km/h sind auch in Deutschland eine machbare Dauerfahrgeschwindigkeit. Sehr entspannt, aber es wird Zeit, dass ich mein iPhone mit dem neuen MacBook Pro koppeln kann (USB-Adapter liegt in Köln in der Agentur), damit ich wieder neue Lieder zu hören bekomme.

Als der Wecker um 2:30 Uhr klingelte, wusste ich erst gar nicht so Recht, damit was anzufangen – mitten aus dem Tiefschlaf gerissen und dank Lichtwecker zu normalen Arbeitstagen habe ich einen klassischen Wecker (natürlich trotzdem auf dem Handy!) schon seit Ewigkeiten nicht mehr genutzt.

Die ersten knapp 300 km geht es in Richtung Malmö zur Öresundbrücke, dann einmal quer durch Dänemark zum Fährhafen in Rödby. Das waren noch mal gut 2h. Dann zwanzig Minuten auf die Fähre warten plus 45 Minuten Überfahrt nach Puttgarden. Ab da ist es dann etwas quälend, da die Halbzeit (laut Strecke) noch vor einem liegt und keine Brücke oder Fähre für Unterbrechung sorgt.

Dafür also rein die verbleibenden Kilometer auf die nächsten Hunderter runter spulen: weniger als 500, weniger als 400, weniger als 300 km. Dann muss auch nachgetankt werden. Etwa 715 km mit 47 Liter Super Benzin sind schon in Ordnung. Der neueren Tradition folgend suche ich mir zum Tanken immer einen Autohof mit einem McDonalds oder Burger King aus. Ich kann mir nie merken, wo ich war, insofern ist es immer wieder eine kleine Überraschung, ob ich die Tankstelle und den Schnellimbiss wiedererkenne. Manchmal fahre ich halt noch ein, zwei Beschilderungen weiter. Heute hatte ich früh Hunger, aber da man (also ich) bei McDonalds nie so genau weiß, wann das Frühstück das „richtige“ Essen ablöst, habe ich mich noch bis zum ersten Autohof nach 11:30 Uhr geschleppt. Ich dachte, dass ich damit auf der sicheren Seite wäre.

Das hat auch geklappt und den Autohof habe ich tatsächlich schon einmal besucht, allerdings war es nicht der von der letzten Fahrt. Nach dem Burger bei McDonalds wieder dieses ekelige Völlegefühl gehabt, was irgendwie immer nur so lange im Gedächtnis bleibt, bis dann irgendwann doch wieder der Appetit auf McDonalds aufkommt.

Die dann noch restlichen dreihundertnochwas Kilometer dann irgendwie abgesessen und heil in Moers angekommen. Morgen dann noch mal alberne 85 km nach Köln hinter mich bringen – da lohnt es sich eigentlich kaum, loszufahren.

Fredagsmys

Das Wort Fredagsmys lässt sich eigentlich nicht so leicht übersetzen. Es geht darum, den Freitag Abend gemütlich abzuhängen. Meistens Zuhause mit Freunden oder der Familie, Snacks und Getränken. Und das alles halt in einem Wort. Zur Zeit begegnet man auch häufig dem Wort Julmys, wobei Jul das schwedische Wort für Weihnachten ist. Und wenn man weiß, dass das Fredag in Fredagsmys für Freitag steht, kann man sich die Bedeutung von
Julmys leicht herleiten.

Für meinen Fredagsmys habe ich mir – nach dem Packen – vorgenommen, in Ruhe zu Essen und mich schon früh ein bisschen bettfertig zu machen und dann mit iPad und Sky darauf zu warten, dass der BVB gegen Hoffenheim spielt. Ein bisschen Julmust dazu und ein paar Weihnachtsplätzchen – so werde ich dann meinen letzten Tag in Schweden vor Weihnachten begehen.

Das Wichtigste ist aber tatsächlich das mys in Fredagsmys.