Ihre Plattformen, ihre Regeln

Ganz ehrlich, ich verstehe das Drama um Domiangate nicht so wirklich. Domian ist ein relativ bekannter deutscher Radio-Talker und wohl auf Facebook aktiv. Dort wurde nun einer oder mehrere Beiträge von ihm von Facebook gelöscht. Inzwischen hat Facebook sich wohl entschuldigt und die Beiträge wieder online gestellt.

Ob das nun ein Versehen war, ein technischer Automatismus, oder eben doch ein gezieltes Löschen eines Beitrages der nicht gefiel (es ging irgendwie um den Papst und die katholische Kirche), eines bleibt doch: Facebook macht die Regeln auf ihrer Plattform. Genauso wie Twitter und Google das auch machen – um nur mal die aktuell Großen zu nennen.

Wie kann man so blauäugig sein und davon ausgehen, dass die alles durchgehen lassen und alles genauso veröffentlichen, wie man es textet? Klar, man kann sich darüber aufregen und sich überlegen, ob man auf der Plattform richtig aufgehoben ist. Aber sich darüber beschweren, dass seine freie Meinungsäußerung gestört würde (das hat Domian gesagt), oder aber von Zensur zu sprechen (wie es viele geifende Kommentatoren zu dem Beitrag machen) ist einfach total fehl am Platze. Wie Jochen so schön schreibt: Staat zensiert. Private machen AGB.

Dabei ist es doch so einfach: eigene Domain besorgen und dort ein Blog hosten. Ja, das ist mehr Arbeit als mal eben was bei Facebook zu schreiben, aber das ist wie der Unterschied zwischen einer Mietwohnung und einem Wohneigentum: mehr Arbeit und Verwantwortung, aber auch mehr Sicherheit und Freiheit.

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3 Antworten zu Ihre Plattformen, ihre Regeln

  1. Usul sagt:

    Das mag formal alles korrekt sein und die meisten, die sich mit der Materie gut auskennen, sind der gleichen Meinung. Meiner Meinung nach stimmt das praktisch unter Umständen nicht mehr. Wenn ein Informationsdienst im Netz, sei es Google, Twitter oder Facebook, eine bestimmte kritische Größe erreicht hat, dann sollte er behandelt werden wie eine Art öffentliche Infrastruktur, die gewissen Regeln zu unterliegen hat bzw. der Neutralität verschrieben ist.

    Ein hinkender Vergleich sind vielleicht Stromanbieter: Private Unternehmen, die bei Zahlungsverzug nicht einfach nach beliebig ausgedachten Regeln (AGB) den Strom abstellen können, sondern da ein gesetzliche vorgeschriebenes Prozedere einzuhalten haben. Ähnliches müsste es für „Informationsanbieter“ geben: Ab einer gewissen Größe dürfen die nicht mehr schalten und walten wie es theoretisch deren Hausrecht erlaubt, sondern es müsste Auflagen geben, die dem Allgemeinwohl und der Chancengleichheit dienen.

    Natürlich wäre es ideal, wenn es nie zu einer solchen Machtkonzentration käme, dass ein Dienst ein Fast-Monopol hat, aber wir leben nun mal nicht in einer idealen Welt.

    • Dirk Olbertz sagt:

      Ein ähnliches Argument habe ich heute auch schon auf Twitter gehört und es wurde auf das hier verwiesen: http://m.guardian.co.uk/technology/2012/may/14/problem-nerd-politics.

      Ich muss das noch weiter auf mich wirken lassen. Denn meiner Meinung nach ist Facebook kein Dienst der wichtig wäre. Alles was er anbietet (nämlich Kommunikation) ging schon immer im Netz.

      Aber das ist evtl. genau das Problem, das ich als technisch versierter Mensch habe. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es nicht sein kann, dass wir etwas so schlechtes zu etwas so wichtigem machen. Aber noch fehlen mir abseits der technischen Sichtweise die Argumente um das zu untermauern.

      Wenn ich soweit bin, werde ich das sicherlich hier im Blog öffentlich machen :)

  2. Sebastian sagt:

    Ich verstehe was du meinst. Ja was ist FB? Im Prinzip ja nur der Raum um sich dort (im Rahmen) auszutoben. Kann man auch woanders (VZ, WKW usw) aber die Masse entscheidet wo man hingeht. Wenn man sagt, will ich nicht, sondern lieber im eigenen Blog das machen, dann ist das zwar mit mehr Freiheit verbunden, aber th nur solange, bis man nicht die Gesetze überschreitet. Denn dann muss auch der Hoster handeln und deine Seite vom Netz nehmen. Daher ist die Freiheit dort auch irgendwann begrenzt. Will man wirklich machen was man will das es aber nur wenige mitbekommen, dann muss man schon die Daten auf dem eigenen Server packen, den Zugang begrenzen und dann ist man fast sicher.
    Aber ich glaube das geht grad am Thema vorbei ;)

    Doof, das FB das macht, aber ist eben auch nen Mega-Konzern der sich nicht viel um Daten(Schutz) macht. Daher sollte man dort nur bis zu einer bestimmten Grenze den Dienst nutzen. Aber vertrauen, das die Daten dort bleiben und sicher sind sollte man nicht.

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