Die europäische Web-Szene

Anfang des Jahres war ich in San Francisco und kam begeistert von der Offenheit dort zurück nach Deutschland. Die offene Art der Menschen bezog sich nicht nur auf das alltägliche Leben, sondern gerade auch auf die vielfältigen Web StartUps aus der Gegend.

Ich hatte das Gefühl, dass ein Projekt wie NoseRub nur dann erfolgreich sein kann, wenn man selbst präsent ist und Entscheidungen somit beeinflussen kann, oder zumindest wesentlich näher an ihnen dran ist.

Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr so sicher, ob das wirklich sinnvoll ist. Erfolgreiche deutsche Projekte wie Xing und StudiVZ zeigen, dass nicht alles importiert werden muss – bitte jetzt nicht auf dem erfolgreich herumreiten, ich denke es ist verständlich, wie ich das meine.

Die Anforderungen sind, nicht zuletzt aufgrund kultureller Unterschiede, teilweise so anders, dass auch lokale Projekte Erfolg haben können, ohne dass man gleich an die USA denken muss. Aber was heißt „lokal“ in diesem Zusammenhang überhaupt?

In der Europäischen Union leben etwa 491 Millionen Menschen, in den USA sind es 304 Millionen. Ich nehme mal an, dass in den USA die Durchdringung mit Internetzugängen etwas besser ist, aber auch dort gibt es Gebiete mit sehr einfacher Internet-Infrastruktur.

Ohne die genauen Zahlen zu kennen denke ich, dass wir als europäischer Markt durchaus eine Chance haben, Nordamerika Paroli bieten zu können. Ich kenne mich jetzt zwar auch nicht mit jedem Land in Europa aus, glaube aber schon, dass mein Hintergrundwissen über Europa wesentlich besser ist, als das der meisten Web-Entrepreneure aus den USA.

Das Problem ist nur, dass der europäische Markt als solcher nicht wahrgenommen wird – zumindest nicht von mir. Hier und da blitzt ein wenig Europa durch, wenn man genau hinsieht:

Aber ein heise newsticker, oder ein Golem auf europäischer Ebene? So langweilig Deutsche-StartUps.de auch ist, die gleiche Seite für europäische Projekte wäre schon ganz hilfreich.

Kennt ihr Web 2.0 News-Sites auf englisch mit europäischem Fokus, oder jeweils für ein europäisches Land? Blognation habe ich mir damals nie wirklich angeschaut – Asche auf mein Haupt. Aber ich glaube fast, dass das eine ganz guter Anfang war/gewesen wäre.

Über aktuelle Links würde ich mich freuen.

10 Gedanken zu „Die europäische Web-Szene

  1. Ich denke der kulturelle Unterschied in den einzelnen EU-Ländern und deren Internetwahrnehmung und Nutzung noch sehr unterschiedlich ist. Und die größte Hürde um an möglichst viele Nutzer zu kommen wird wohl immernoch die Sprache sein. Okay, mann kann die Seite – wie Facebook – übersetzen, aber die Kommunikation untereinander kann nicht in verschiedenen Sprachen erfolgen, wenn sie nicht alle verstehen. Und ob Englisch von so vielen wirklich gut beherrscht wird?! Im Community Bereich kann ich mir das nicht so einfach vorstellen. Im E-Commerce schon eher.

  2. Hm. Es gibt natürlich unterschiedliche Nutzerschichten, aber ich glaube schon, dass Englisch gar kein so großes Problem ist. Zumindest Lesen. Aber darauf kann man sich ja von einer Plattform her ja auch einstellen: z.B. eine automatische Hilfen für die Übersetzung einzelner Worte.

    Die von Twitter bekannten Favorites sind ebenfalls ein Weg um die Kommunikation zu vereinfachen: man muss nicht erst nach den Worten suchen um jemanden zu sagen „das denke ich auch“, sondern klickt einfach auf den Knopf.

    Ich glaube wirklich, dass es eher die nicht vorhandene europäische Web-Szene ist, die dafür verantwortlich ist, dass es so wenige übergreifende Sites gibt.

  3. Okay. Vielleicht gibt es kein „miteinander“, sondern ein „gegeneinander“ zwischen den EU-Ländern. USA ist ein Staat, da ist die Zusammengehörigkeit ein Gefühl, das wir noch in Europa so nicht haben. Unsere Nationalmannschaften spielen auch gegeneinander und nicht miteinander gegen die USA. :)

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  6. Die Lokalisierung bezieht sich nicht nur auf die verschiedenen Sprachen sondern áuch auf die unterschiedlichen Kulturen und Gewohnheiten. Xing macht das vorbildlich vor. Dort wird durchaus auf die Besonderheiten der Länder und Kulturkreise eingegangen. Bei Xing sieht beispielsweise das spanische Angebot oder das amerikanische druchaus etwas anders aus als das für deutschland. Das ist ein ziemlicher Aufwand, der sich aber langfristig bezahlt macht. Darin besteht eine der Herausforderungen in Europa im Gegensatz zu Nordamerika. Die Amerikaner kämmen dagegen die ganze Welt über einen Kamm. Den Leuten im Valley fehlt fast immer das Bewusstsein für die kulturellen Unterschiede.

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  8. Der Vergleich mit den Nationalmannschaften von Gregor gefällt mir auch. Dasselbe gibt es allerdings auf verschiedensten Ebenen (Sprache, Kultur, Interessen) auch in Nordamerika. Die Granularisierung der verschiedenen Gegeneinander erfolgt zum Teil künstlich und/oder kommerziell per Marketing als auch natürlich per z.B. Politik wie gerade deutlich sichtbar.

    Zwei Schritte zurück. Betrachtet man Foren, dann ist die Granularisierung der verschiedenen Ebenen eher organisatorisch einfach zu lösen und die Verantwortung eines Betreibers erstreckt sich eher auf das erfolgreiche Delegieren von Moderationsaufgaben. Man kennt diese Lösung ebenfalls von Verlagen, die erfolgreich verschiedenste Objekte parallel betreiben.

    Ich denke ein europäischer Ansatz sollte ähnlich erfolgen. Parallele Objekte, die je nach Interessen- bzw. ‚Marktlage‘ diversifizieren bzw. reduzieren. Der kopfige Ansatz jetzt mal was europäisches machen zu wollen scheitert meines Erachtens an der unberechenbaren Komplexität des Konstruktes.

    Auch in Nordamerika gibt es klare Evolutionssprünge. Nicht ist Knall auf Fall entstanden.

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