Ein Mal Recht haben = 576,06 Euro

In meinem Blog gibt es einen Beitrag, der fast wöchentlich einen neuen Kommentar erfährt. Es handelt sich hierbei um eine Sache aus dem Herbst 2004 mit dem schönen Titel Abmahnwahn: Die unendliche Geschichte Teil x+1. Dabei geht es um ein Call-Center von offensichtlich zweifelhaftem Ruhm und darum, dass ich als Betreiber von Blogger.de für Kommentare in einem dort gehostetem Blog eine Unterlassungserklärung unterschreiben sollte. Udo Vetter hat mich damals vertreten, ist nach Berlin gereist und hat die Sache für mich gewonnen.

Parallel dazu hat Herr Drews eine Einstweilige Verfügung für etwas ganz ähnliches gegen mich erwirkt. War er doch Geschäftsführer des Call-Centers und hat versucht, privat gegen die Kommentare vorzugehen. Dies hat Udo ebenfalls für mich aus der Welt geschafft – und zwar indem auch dieser Prozeß für mich erfolgreich ausging.

Vor ein paar Wochen kontaktierte mich Sascha Kremer, welcher bei Udo in der Kanzlei arbeitet. Im Laufe der letzten zwei Jahre gab es immer wieder neue Wendungen in dem Fall, sogar die Gerichtsvollzieherin stand bei mir schon vor der Tür und wollte die Gerichtsgebühren eintreiben, während vor Gericht noch geklärt wurde, wer denn nun welche Kosten zu tragen hätte. Relativ schnell war klar, dass Herr Drews zahlen muss, da er die ganze Sache angestrengt hat, obwohl sie keinen Bestand hatte. Leider ist Herr Drews pleite und hat sich zwischenzeitlich nach Spanien abgesetzt. Aus einem Erbfall besitzt er nun zwar ein Grundstück, welches einen Wert von 200.000 Euro hat, dieses ist aber schon wieder mit 250.000 Euro belastet, so dass ich nun zwar einen Titel gegen Herrn Drews in der Hand halte, ich aber ansonsten erst einmal auf Kosten in Höhe von 576,06 Euro sitzen bleibe.

Ich fasse kurz zusammen:

  • Eine Firma bedient sich seltsamer Praktiken;
  • Ein Betroffener schreibt darüber in seinem Blog;
  • Ein Angesprochener der Firma ist darüber erzürnt und strengt rechtliche Mittel gegen den Bloghoster an;
  • Der Bloghoster gewinnt vor Gericht;
  • Der Bloghoster zahlt dafür 576,06 Euro, da der Kläger pleite ist

Ich bin da so sauer darüber, dass ich mich anstrengen muss, hier nicht bald Millionen von Google-Usern auf der Suche nach derben Schimpfworten zu empfangen. Ich bin nicht sauer auf unser Rechtssystem oder auf Udo und Sascha. Die haben einen prima Job gemacht, mich immer auf dem Laufenden gehalten und für mich ein doch brisantes Thema erledigt. Ich bin auch nicht sauer auf den Blogger, der das Thema aufgebracht hat, oder den Kommentator dort in dem Blog. Ich lasse in meinem Blog auch gerne mal angestaute Luft raus, wenn ich mich über etwas ärgere.

Ich bin sauer wegen der Art und Weise, wie diese Sache über die Bühne gegangen ist und Herr Drews dabei offensichtlich keine Sekunde an eine andere Person außer an sich selbst gedacht hat. Wie kann ich denn etwas vor Gericht zerren, wenn ich zum einen weiß, dass die Sache recht zweifelhaft ist und ich selbst pleite bin (so viel Geld verliert man nicht über Nacht, er muss also vorher schon sehr klamm gewesen sein)? Während der zwei Jahre musste eine mündliche Verhandlung sogar wiederholt werden, weil Herr Drews nicht anwesend war. Ein Umstand, der die Rechnung vom Anwalt auch nicht kleiner werden lässt.

Diese rücksichtslose Art und Weise macht mir zu schaffen, einzig der Gedanke, dass es richtig war die Einstweilige Verfügung nicht einfach so hinzunehmen, tröstet mich. Zumindest bis der oben zuerst angesprochene Fall soweit abgeschlossen wird, dass sich auch daraus eine Rechnung ergibt, die mich dann wieder wütend werden läßt.