{"id":2830,"date":"2013-11-04T14:15:45","date_gmt":"2013-11-04T13:15:45","guid":{"rendered":"http:\/\/olbertz.de\/blog\/?p=2830"},"modified":"2013-11-04T14:52:35","modified_gmt":"2013-11-04T13:52:35","slug":"der-transgender-sturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/olbertz.de\/blog\/2013\/11\/04\/der-transgender-sturm\/","title":{"rendered":"Der Transgender-Sturm"},"content":{"rendered":"<p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6015.jpg\" alt=\"Umgewehter Baum\" width=\"570\" height=\"380\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2831\" srcset=\"https:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6015.jpg 1140w, https:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6015-440x293.jpg 440w, https:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6015-620x413.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/>\n<\/p>\n<p>\nErinnert ihr euch noch an den Sturm aus der letzten Woche? In Norddeutschland und an den K&#252;sten Deutschlands tobte er besonders stark. <em>Christian<\/em> hie&#223; er, der Sturm. Jedenfalls in Deutschland. Der selbe Sturm hie&#223; in Schweden n&#228;mlich <em>Simone<\/em> und war nicht weniger heftig.\n<\/p>\n<p>\nZuerst flog die Schubkarre weg, weniger dramatisch k&#246;nnte man auch sagen, dass sie vom Wind umgesto&#223;en wurde. Das passierte noch relativ fr&#252;h am Nachmittag und kommt schon mal vor wenn der Wind ein bisschen st&#228;rker ist und ich die Schubkarre motivationsf&#246;rdernd drau&#223;en stehen lasse. Als ich die Schubkarre also so mitten auf dem Weg liegen sah, bin ich doch mal nach Drau&#223;en um sie etwas in Sicherheit zu bringen. Ganz uneigenn&#252;tzig nat&#252;rlich: ich hatte keine Lust, sie sp&#228;ter hinten aus dem Wald zu fischen. Das was mich da Drau&#223;en an Sturmb&#246;en erwischte war schon nicht ohne.\n<\/p>\n<p>\nNachdem es dann dunkel wurde &#8211; was hier so gegen 16:30 Uhr der Fall ist, h&#246;rte ich irgendwann von der Seite des Hauses ziemlich viel L&#228;rm den ich nicht zuordnen konnte. Zwar Pfiff und rappelte es schon den ganzen Tag, aber das war wirklich lauter. Zur Sicherheit leuchtete ich erst einmal von Innen mit der Taschenlampe die Umgebung der Hauswand ab und fand ein St&#252;ckchen weiter ein St&#252;ck Wellblech liegen. Ein Blick zur anderen Seite best&#228;tigte mir, dass es zu dem kleinen Schuppen am Haus geh&#246;rt, indem der &#8211; inzwischen nicht mehr in Betrieb befindliche &#8211; &#214;ltank residiert. Also wieder nach Drau&#223;en und das St&#252;ck Wellblech bergen. Wenn ich von <em>St&#252;ck<\/em> rede, muss man sich das mit einer Gr&#246;&#223;e von etwa 1,50 m x 1,50 m vorstellen. Zum Gl&#252;ck hatte ich es mit dem St&#252;ck nicht weit, mein Respekt vor der Wirkung des Windes auf mehr als 2 Quadratmeter Fl&#228;che war auch so gro&#223; genug. Au&#223;erdem konnte ich in der Dunkelheit auch nicht so recht einsch&#228;tzen, wie locker die restliche Wellblechst&#252;cke sa&#223;en und ob mir die wortw&#246;rtlich um die Ohren fliegen w&#252;rden. Passiert ist zum Gl&#252;ck nichts und die auf dem Schuppen verbliebenen Reste des Wellbleches machten nur Radau aber sonst nichts.\n<\/p>\n<p>\nZwischen 21:00 und 22:00 Uhr beschloss ich dann ins Bett zu gehen, da der Sturm zwar immer noch tobte, aber das Haus einen stabilen Eindruck machte und ich sowieso nichts h&#228;tte machen k&#246;nnen. Genau zu der Zeit fiel dann der Strom aus. Schon vorher flackerte es ein paar mal, was bei den &#252;berirdisch verlegten Stromleitungen bei dem Sturm auch nicht wirklich &#252;berrascht. Noch mal 30 Minuten sp&#228;ter war dann auch das Licht der Stra&#223;enlaternen weg. Stromausf&#228;lle kenne ich inzwischen aus Schweden und war mir sicher, dass die das schnell in den Griff kriegen w&#252;rden. Ja, auch ich irre ich manchmal.\n<\/p>\n<p>\nAm n&#228;chsten Morgen war der Strom immer noch weg und auch das Handynetz. Das war insofern bl&#246;d, weil ich jetzt nicht einmal im B&#252;ro in Deutschland anrufen konnte um Bescheid zu geben, dass es noch ein bisschen dauern k&#246;nnte, bis ich wieder arbeiten kann. Irgendwann hatte ich die Warterei zuhause satt und bin mit dem Auto nach Kalmar gefahren. Auf dem Weg dorthin hatte ich keine drastischen Sturmsch&#228;den gesehen und in Kalmar selbst gab es sowohl Strom als auch Handyempfang. Also flugs in der Agentur Bescheid gegeben, dass ich an dem Tag erst sp&#228;ter online werden w&#252;rde. Haha! Ich bin so naiv!\n<\/p>\n<p>\nAuf dem R&#252;ckweg war ich wohl wesentlich wacher und sah somit bei uns im Dorf gleich an zwei Stellen riesige umgest&#252;rzte B&#228;ume. Na gut, dachte ich mir. Der Sturm war wohl wirklich nicht so ohne. Bei mir am Haus war, abgesehen vom Wellblech, alles in Ordnung &#8211; wenn man mal die ganzen abgebrochenen &#196;ste im Garten ignoriert. Zuhause begann dann also das Warten. Nun muss man dazu wissen, dass ich nicht an das kommunale Wassersystem angeschlossen bin, sondern das aus einem Brunnen hier im Garten kommt. Soweit, so schlecht. Denn damit gibt es auch keinen Wasserdruck! Normalerweise sorgt eine Pumpe im Keller daf&#252;r, die nat&#252;rlich mit Strom betrieben ist&#8230;\n<\/p>\n<p>\nZwei Toiletten im Haus sind aber wenigstens f&#252;r die gro&#223;en Gesch&#228;fte mit Wasser gef&#252;llt und ich darf auch schon mal verraten, dass der Wasserdruck in der Leitung noch f&#252;r zwei mal Sp&#252;len reichte. Andererseits muss ich auch gestehen, dass ich zum Pinkeln vorsichtshalber hinter&#8217;s Haus gegangen bin &#8211; irgendwie muss man sich die Ressourcen ja einteilen! Die Heizung funktionierte nat&#252;rlich auch nicht mehr. Denn obwohl das Heizungswasser selbst noch hei&#223; genug war, lief nat&#252;rlich die Umw&#228;lzpumpe nicht, die daf&#252;r sorgt, dass das warme Wasser duch die Heizungen getrieben wird. Als es irgendwann Nachmittag wurde und sowohl Strom als auch Handynetz auf sich warten liessen, sorgte die einbrechende Dunkelheit dann daf&#252;r, dass es langsam k&#228;lter wurde. Zum Gl&#252;ck habe ich einen offenen Kamin und hatte morgens noch etwas Brennholz aus Kalmar mitgebracht.\n<\/p>\n<p>\nSo sa&#223; ich also den ganzen Tag &#252;ber zuhause und wartete. Zum Gl&#252;ck war mein Kindle noch voll aufgeladen und ein paar B&#252;cher warteten noch darauf gelesen zu werden. Beim Schein des Feuers und einiger Kerzen konnte man der ganzen Sache auch etwas Gem&#252;tliches abgewinnen. Ab 18:00 Uhr zog ich dann mit den ganzen Kerzen oben ins Schlafzimmer um das so ein klein wenig w&#228;rmer zu bekommen. Und ob ich unten im Sessel h&#228;nge, oder oben im Bett liege und lese, macht ja auch keinen Unterschied. Dabei f&#228;llt mir ein: ist es eigentlich auch so ein Kindheitsmythos, dass das Lesen bei schlechtem Licht die Augen verdirbt, oder muss ich mir nun ernsthaft Gedanken um mein Augenlicht machen?\n<\/p>\n<p>\nDer zweite Morgen ohne Strom brachte zumindest das Handynetz zur&#252;ck, so dass ich den Kollegen in Bonn ein paar Mails schreiben konnte. Wobei mein iPhone nach dem Laden im Auto am Vortag bedenklich unter die 50%-Marke der Akkuanzeige rutschte. W&#228;hrend ich also wartete und dem Knistern des offenen Kamins lauschte, las ich das zweite Buch zu Ende. Langsam wurde es wirklich langweilig. Ich h&#228;tte zwar noch einiges im Garten erledigen k&#246;nnen, oder wollte auch immer noch ein paar St&#228;dte in der Umgebung besuchen, aber ungeduscht gehe ich ungern unter Menschen &#8211; vor allem nach zwei ungeduschten Tagen. Und wenn ich im Garten gearbeitet h&#228;tte, w&#228;re eine Dusche umso dringender gewesen. Und wer wei&#223;, wie lange der Strom noch ausbleiben w&#252;rde und ob ich nicht irgendwann doch mal wieder Einkaufen m&#252;sste? So langsam r&#228;chte es sich, dass ich Endzeit-Science-Fiction so gerne mag: meine Phantasie kannte keine Grenzen.\n<\/p>\n<p>\nAlso der Akku des iPhones dann aber ganz leer war, musste was getan werden: ich fuhr wieder nach Kalmar um das Handy im Auto aufzuladen, irgendwo was Warmes zu Essen und vielleicht ein Klo zu finden. Mit allen drei Vorhaben war ich &#252;brigens erfolgreich.\n<\/p>\n<p>\nDamit ich unterwegs wusste, ob der Strom zuhause immer noch weg ist, oder nicht, hatte ich die Webcam zuhause eingesteckt. Denn die schickt eine Mail, sobald sie wieder von Au&#223;en zu erreichen ist. Und obwohl ich ziemlich viel Zeit in Kalmar verplemperte, kam die tr&#246;stende Mail nicht. Gegen 13:30 Uhr fuhr ich trotzdem wieder zur&#252;ck nach P\u00e5ryd und mitten auf dem Weg dann endlich die Mail der Webcam! Der Strom war wieder da. Um kurz nach 14:00 Uhr konnte ich das dann auch den Kollegen in Bonn per Chat mitteilen und mein Homeoffice wieder in Betrieb nehmen &#8211; ob ungeduscht oder geduscht ist dabei zum Gl&#252;ck egal.\n<\/p>\n<p>\nAm n&#228;chsten Morgen war der Strom &#252;brigens noch mal weg. So ungef&#228;hr von 6:00 Uhr bis 9:00 Uhr. Ich sch&#228;tze aber mal, dass dabei nur ein paar provisorische Reperaturen vom Vortag in Ordnung gebracht wurden. Ein bisschen hatte ich mich trotzdem ge&#228;rgert, dass ich keine Eimer mit Wasser parat gestellt hatte &#8211; zu unwahrscheinlich kam es mir vor, dass der Strom wieder wegbleiben w&#252;rde.\n<\/p>\n<p>\nDas Foto oben stammt &#252;brigens aus dem Wald hinter meinem Haus. Die H&#246;he der Bodenplatte mit den Wurzeln und der Erde betr&#228;gt gut 2 Meter. Ich habe nicht geh&#246;rt wie er gefallen ist, wahrscheinlich war der L&#228;rm des Sturms aber auch einfach zu gro&#223;. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie weit weg das vom Haus war, gibt es hier unten noch das Foto aus der Gegenperspektive. Ich sage mal so: ich h&#228;tte es wohl mitbekommen, wenn der Baum in die andere Richtung gefallen w&#228;re.\n<\/p>\n<p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6025.jpg\" alt=\"Umgewehter Baum, Ansicht mit Haus\" width=\"570\" height=\"380\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2832\" srcset=\"https:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6025.jpg 1140w, https:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6025-440x293.jpg 440w, https:\/\/olbertz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_6025-620x413.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnert ihr euch noch an den Sturm aus der letzten Woche? In Norddeutschland und an den K&#252;sten Deutschlands tobte er besonders stark. Christian hie&#223; er, der Sturm. Jedenfalls in Deutschland. 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